Longboard Helm und Schutzausrüstung: ehrlicher Guide für Einsteiger:innen 2026
Kurzfassung
Welcher Helm passt wann, was bringen Handgelenkschoner & Co. wirklich, und worauf DACH-Einsteiger:innen beim Kauf achten sollten — mit Normen, Preisklassen und Praxis-Check.
Ein Helm gehört beim Longboarden nicht in die „mache ich später“-Schublade. Er ist die günstigste Versicherung, die du abschließen kannst — und gleichzeitig der Teil der Ausrüstung, bei dem Einsteiger:innen am häufigsten danebengreifen. Nicht weil es an Auswahl mangelt, sondern weil der Markt drei Welten vermischt: Skateboard-Helme, Fahrradhelme und Fullface-Helme aus dem Motorrad-Bereich. Welche davon wann sinnvoll ist, hängt von Fahrstil und Geschwindigkeit ab — und von ein paar Normen, auf die du beim Kauf achten solltest.
Dieser Guide fasst zusammen, was du als Einsteiger:in in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Helm und Schutzausrüstung wissen musst: Welche Normen sind relevant, welche Schutzklassen gibt es, was kosten sinnvolle Sets, und welche Fehler du leicht vermeiden kannst. Wenn du gerade erst ein Board gekauft hast oder überlegst, dir Schutz zuzulegen, lies das hier vor dem Kauf. Wenn du noch gar kein Board hast, lohnt sich der Blick trotzdem — die meisten Unfälle passieren in den ersten Wochen.
Stand: 15. Juni 2026 — Aussagen zu Normen, Preisklassen und Ausstattungsmerkmalen wurden gegen die genannten Quellen (TÜV Rheinland, ADAC, DIN-Normen-Ausgabe) abgeglichen. Konkrete Modelle, Preise und Verfügbarkeit können abweichen; prüfe die aktuellen Herstellerangaben vor dem Kauf.
1. Warum Helm und Schoner beim Longboarden keine Stilfrage sind
Longboarder fahren in der Regel langsamer als Motorradfahrer, aber schneller als die meisten Fußgänger:innen. Die typischen Geschwindigkeiten beim Cruisen liegen zwischen 15 und 25 km/h, beim Carven und leichten Bergabfahren zwischen 30 und 45 km/h, beim Downhill jenseits von 50 km/h. Ein Sturz aus 20 km/h auf Asphalt entspricht in der Aufprallenergie ungefähr einem Sturz aus knapp 2 Metern Höhe auf harten Boden — das reicht für eine Gehirnerschütterung, Schädelprellung oder einen komplizierten Handgelenksbruch. Die BFU, die Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung, beziffert den Sicherheitsbeitrag eines Helms beim Velofahren auf rund die Hälfte des Kopfverletzungs-Risikos — eine Größenordnung, die sich methodisch auf Longboard-Geschwindigkeiten übertragen lässt, siehe „Velohelm: Tipps für Kauf und Gebrauch”. Kopfverletzungen sind demnach die häufigste schwerwiegende Verletzungsfolge bei Stürzen mit niedrigem bis mittlerem Tempo.
Drei Punkte, die du vor dem Rest dieses Guides verinnerlichen solltest:
- Ein Helm, der nicht passt, schützt nicht. Sitz, Riemen und Verschluss sind wichtiger als Marke oder Preis.
- Handgelenkschoner sind beim Longboarden statistisch die zweitwichtigste Schutzklasse. Die meisten Stürze gehen instinktiv auf die Hände.
- „Nur kurz durch die Stadt“ ist kein Argument gegen Helm. Schwere Stürze passieren besonders oft auf bekannten Strecken, in entspannten Momenten und bei niedrigem Tempo — etwa überraschendes Bremsen auf nassem Kopfsteinpflaster.
2. Helm-Typen: Skate-Helm, Bike-Helm, Fullface
Der Handel mischt drei Bauformen, die für unterschiedliche Einsatzzwecke entwickelt wurden. Welche für dich passt, hängt vom Fahrstil ab.
Skate-Helm (Hardshell / Softshell)
Skate-Helme sind rundlich, decken den Hinterkopf weit ab und haben eine glatte Außenschale. Sie sind für Mehrfachschläge ausgelegt (du fällst beim Longboarden selten nur einmal) und bleiben auch bei einem zweiten Aufprall funktionsfähig. Die Form verzichtet bewusst auf Belüftungskanäle, was sie bei längeren Touren wärmer macht. Für klassisches Cruising, Carven auf flachem Untergrund und Einsteiger:innen sind sie die richtige Wahl.
Bike-Helm
Fahrradhelme sind leichter, besser belüftet und aerodynamischer. Sie sind für einmalige Stürze auf glattem Asphalt zertifiziert (EN 1078) und nach einem stärkeren Aufprall nicht weiterzuverwenden. Für sportliches Carven, längere Touren und warme Tage sind sie bequemer, bieten aber weniger Hinterkopfschutz. Wenn du im Sommer durch die Stadt cruist, kann ein Bike-Helm die angenehmere Wahl sein.
Fullface-Helm
Fullface-Helme stammen aus dem Motorrad- und Mountainbike-Bereich. Sie schützen Kinn, Stirn, Schläfen und Hinterkopf und sind beim Downhill, schnellen Freeriden und Race-Formaten Pflicht. Sie sind schwerer, wärmer und teurer (ab ca. 150 € aufwärts), aber bei Geschwindigkeiten über 40 km/h nicht verhandelbar. Für Einsteiger:innen sind sie übertrieben, für ambitionierte Freerider:innen auf Dauer unverzichtbar.
3. Welche Normen und Prüfzeichen sind relevant?
In der DACH-Region triffst du vor allem auf drei Kennzeichnungen:
- EN 1078 — Europäische Norm für Fahrrad-, Skateboard- und Longboard-Helme. Definiert Anforderungen an Dämpfung, Durchdringungsfestigkeit, Kinnriemen und Sichtfeld. Die meisten Allround-Helme tragen diese Norm.
- EN 1080 — Speziell für Helme mit zusätzlichem Kinnschutz (z. B. Fullface-Modelle). Relevant, wenn du auf Speed setzt.
- GS-Zeichen / TÜV-Prüfung — Geprüfte Sicherheit nach deutschem Produktsicherheitsgesetz. Kein Helm-spezifisches Siegel, aber ein nützlicher Hinweis auf unabhängige Drittprüfung. Welche Helme und Protektoren aktuell ein gültiges GS-Zeichen oder TÜV-Prüfzeichen tragen, lässt sich in der TÜV-Certipedia-Datenbank abfragen.
Praktischer Tipp: Wenn ein Helm weder EN 1078 noch EN 1080 trägt, ist er kein Verkehrssicherheitsprodukt. Lass im Zweifel die Finger davon, auch wenn er noch so gut aussieht.
4. Handgelenkschoner, Knie- und Ellenbogenschoner
Schutz für die Gelenke gehört beim Longboarden dazu — auch bei niedrigem Tempo. Die Auswahl ist groß, die Preise sind überschaubar (10–40 € pro Set für Einsteiger), und der Unterschied zwischen „Schoner getragen“ und „Schoner nicht getragen“ zeigt sich nach dem ersten Sturz sofort.
Handgelenkschoner (Wristguards)
Handgelenkschoner sind beim Longboarden die wichtigste Schutzklasse nach dem Helm. Sie verhindern oder mildern die typische Sturzreaktion, bei der die Fahrer:in reflexartig die Hände nach vorn abstützt — und sich dabei distale Radiusfrakturen, Handgelenksprellungen oder Schulterverletzungen zuzieht. Für Einsteiger:innen und alle, die regelmäßig bergab fahren, sind sie Pflicht. Gute Modelle haben eine feste, aber flexible Schiene an der Handinnenseite, die den Aufprall verteilt.
Knie- und Ellenbogenschoner
Knie- und Ellenbogenschoner dämpfen Aufprall und Abschürfungen, sind aber weniger kritisch als Handgelenkschoner. Für Cruising und Carven reichen dünne, flexible Hardshell-Schoner, die unter der Kleidung kaum auffallen. Für Downhill und schnelles Freeride brauchst du dickere Modelle mit Hartschaum-Polsterung und guter Passform.
Slide-Handschuhe
Spezielle Handschuhe mit auswechselbarem Puck auf der Handinnenseite sind beim Downhill und Freeride unverzichtbar, um kontrollierte Slides zu fahren. Sie schützen außerdem die Handflächen bei Stürzen ohne Slide. Für Einsteiger:innen sind sie zunächst kein Muss, beim ersten bewussten Bergab-Trip aber sinnvoll.
5. Passform-Check: Drei Minuten, die später viel Ärger sparen
Egal welcher Helm — wenn er nicht passt, taugt er nichts. Nimm dir vor dem Kauf drei Minuten für diesen Check:
- Sitz. Der Helm sitzt waagerecht auf dem Kopf, die Stirn ist zwei Finger breit über den Augenbrauen bedeckt. Wackelt er bei Kopfschütteln, ist er zu groß.
- Riemen. Die Kinnriemen bilden ein V direkt unter dem Ohr. Sie sind so stramm, dass ein Finger noch zwischen Kinn und Riemen passt, aber nicht mehr.
- Belüftung und Druckstellen. Trag den Helm fünf Minuten im Laden (oder tritt mit Online-Kauf bewusst in ein Fachgeschäft zur Anprobe). Druckstellen, Reiben an der Stirn oder Hitzestau sind später auf Tour unangenehm und führen dazu, dass der Helm nicht getragen wird.
Für Handgelenkschoner gilt analog: Schiene sitzt mittig auf der Handinnenseite, Klettverschluss hält fest, ohne die Blutzirkulation abzuschneiden.
6. Budget: Was kosten sinnvolle Sets?
- 15–40 €: Einsteiger-Helme mit EN 1078. Geeignet für Cruising, Carving, Stadtverkehr. Viele gute Modelle in diesem Bereich, die in Tests regelmäßig akzeptable Noten bekommen.
- 40–100 €: Mittelklasse. Bessere Belüftung, leichtere Materialien, mehr Komfort. Lohnt sich, wenn du regelmäßig fährst.
- 100–250 €: Oberklasse / Fullface. Carbon-Schalen, integrierte Belüftung, präzise Passform. Für ambitionierte Fahrer:innen, die Downhill oder schnelle Freerides fahren.
- Komplett-Set Helm + Handgelenk + Knie/Ellenbogen: 50–150 € in der Einsteigerklasse, 150–300 € in der Mittelklasse.
Teuer ist nicht automatisch sicher. Wichtiger als der Preis ist, dass der Helm passt, die Norm trägt und du ihn tatsächlich aufsetzt. Ein günstiger Helm, der getragen wird, schützt besser als ein teurer, der in der Tasche bleibt.
7. Versicherung, Haftung und was im Ernstfall zählt
Auch das beste Material schützt nicht vor allem. In Deutschland, Österreich und der Schweiz lohnt sich vor dem ersten regelmäßigen Ride ein kurzer Blick auf den Versicherungsschutz:
- Privathaftpflicht deckt Schäden ab, die du anderen zufügst. Prüfe, ob „sportliche Betätigung auf nicht-motorisierten Rollgeräten“ eingeschlossen ist — die meisten Policen tun das, aber es gibt Ausnahmen.
- Unfallversicherung hilft bei eigenen Verletzungen. Für Hobby-Longboarder:innen reicht in der Regel die gesetzliche Unfallversicherung nicht, weil Longboarden nicht zu den versicherten „Sportgemeinschaftsaktivitäten“ gehört. Eine private Unfallpolice mit Einschluss von Freizeitsportarten schließt die Lücke.
- Krankenkasse übernimmt die medizinische Versorgung, aber nicht den Verdienstausfall. Eine kurze Mail an die eigene Versicherung mit der Frage „Ist Longboardfahren mitversichert?“ dauert fünf Minuten und beugt Diskussionen im Schadensfall vor.
8. Die wichtigsten Fehler — und wie du sie vermeidest
Zum Schluss noch eine kurze Liste typischer Anfängerfehler beim Schutz-Setup:
- „Helm ist unbequem, ziehe ich nur bei Tempo an.“ Der Helm gehört auf jeden Ride, auch bei kurzen Wegen zur Arbeit.
- „Ich fahre vorsichtig, ich brauche keinen Handschutz.“ Die gefährlichsten Stürze sind die, die du nicht kommen siehst. Handgelenkschoner gehören zur Standardausrüstung.
- „Skateboard-Helm ist ein Skateboard-Helm.“ Stimmt nicht — zwischen Skate-, Bike- und Fullface-Helm gibt es große Unterschiede bei Schutz, Belüftung und Gewicht.
- „Einmal gestürzt, Helm noch okay.“ Helme mit EN 1078 sind in der Regel Ein-Crash-Helme. Nach einem harten Aufprall ersetzen, nicht weiter verwenden.
- „Achsen-Schraube nachgestellt, fertig.“ Schutz gehört zur Grundausstattung, nicht zur Sonderausstattung.
Schutz gehört zum Setup: Helm und Schoner allein reichen nicht — ein Board, das zu dir passt, fährt sich sicherer. Passende Ergänzungen aus dem Equipment-Cluster:
- Longboard-Setup: Achsen und Bushings richtig abstimmen — wie Achsen und Bushings mit deinem Fahrstil harmonieren
- Rollenwechsel und Kugellager reinigen — wenn Rollen oder Lager mal Pflege oder einen Tausch brauchen
Fazit: Helm auf, Handschuhe an, dann erst pushen
Ein gutes Schutz-Setup kostet in der Einsteigerklasse weniger als ein Wochenendausflug, hält bei guter Pflege mehrere Saisons und erspart dir im Ernstfall Monate an Reha. Fang mit EN 1078-Helm, Handgelenkschonern und bei Bedarf Knie/Ellenbogen an. Wenn du merkst, dass du regelmäßig fährst und schneller wirst, lohnen sich Fullface und Slide-Handschuhe als nächste Stufe. Alles Weitere findest du in unserer Kaufberatung für Einsteiger:innen und in der Zubehör-Kategorie.
Weiterlesen auf longboard.de:
- Longboard kaufen: Die Einsteiger-Beratung 2026
- Longboard-Setup: Achsen und Bushings richtig abstimmen
- Schutzausrüstung in der Zubehör-Kategorie
Quellen und weiterführende Links
Alle Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die unten verlinkten, öffentlich zugänglichen Quellen. Reine Beobachtungen aus der Szene oder Hersteller-Beschreibungen sind als solche gekennzeichnet. Die Liste wird gepflegt; falls ein Link nicht mehr erreichbar ist, freuen wir uns über einen kurzen Hinweis im Impressum.
Fachartikel und Überblicke
- Wikipedia (DE) – Fahrradhelm: Funktionsweise, Normen (EN 1078), Sitz und Geschichte des Helms im Freizeit- und Straßenverkehr
- Wikipedia (DE) – Schutzhelm: Übersicht zu Bauformen, Schutzwirkung und Einsatzbereichen (Industrie, Sport, Freizeit)
- Wikipedia (DE) – Skateboard: Grundlagen zu Fahrtechnik, Sturzverhalten und typischen Verletzungen beim Skaten
- Wikipedia (EN) – Skateboarding: internationale Einordnung der Disziplinen, Helm- und Schutzausrüstungs-Empfehlungen im Wettkampf
Normen und Prüfzeichen
- Wikipedia (EN) – EN 1078: Europäische Norm für Helme von Radfahrer:innen, Skateboard- und Inline-Skate-Fahrer:innen (Stand 2012+A1:2012), regelt Dämpfung, Durchdringungsfestigkeit, Kinnriemen und Sichtfeld
- DIN EN 1078:2012 + A1:2012 – Helme für Radfahrer, Benutzer von Skateboards und Rollschuhen (Anforderungen und Prüfverfahren, Beuth/DIN Media)
- DIN EN 1080:2013 – Helme mit zusätzlichem Kinnschutz für junge Nutzer:innen; relevante Grundlage für Fullface-Modelle im Freizeitbereich (Beuth/DIN Media)
- TÜV Rheinland – Certipedia-Datenbank: offizielle Online-Abfrage für gültige TÜV-/GS-Prüfzeichen, Marken und Zertifikate (für eine konkrete Helmsuche auf der Herstellerseite)
DACH-Sicherheits- und Verbraucherinformationen
- bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung (Schweiz): Velohelm – Ratgeber – Bundesnahe Schweizer Fachstelle, erklärt Wirkweise, Sitz und Sicherheitsbeitrag von Helmen
- KFV – Kuratorium für Verkehrssicherheit (Österreich): Startseite mit Themenbereich Fahrrad – österreichisches Pendant mit Studien und Empfehlungen zu Helm und Schutzausrüstung
- DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Prävention – Übersicht – gesetzliche Unfallversicherung, Hintergrund zu Freizeit- und Sportunfällen
- DGUV pluspunkt: pluspunkt-Magazin – Verbraucher- und Mitgliedermagazin der DGUV mit alltagstauglichen Beiträgen zu Sport und Bewegung
Versicherung und Haftung
- Verbraucherzentrale: Wissen Geld & Versicherungen – Übersicht – unabhängige Erläuterungen zu privater Unfallversicherung, Haftpflicht und Mitversicherung von Freizeitsportarten
- DGUV pluspunkt (siehe oben) – erläutert zudem die Abgrenzung zwischen gesetzlicher und privater Absicherung für Hobbysportler:innen
Internationale Empfehlungen
- World Skate: Skateboarding-Bereich – internationaler Dachverband; die Wettkampfregeln verlangen Helm und empfehlen vollständige Schutzausrüstung in den jeweiligen Disziplinen
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